Umgang mit illegalen Drogen

1. Beschreibung der Herausforderung

In der Jugendphase gilt es, viele neue Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Die Auseinandersetzung mit Rauschmitteln gehört zum Jugendalter dazu und kann nur durch Informieren und ggf. Ausprobieren aktiv bewältigt werden. Zugleich aber sind Rauschmittel wie Alkohol und Nikotin im Jugendalter verboten und weitere Substanzen wie z.B. Cannabis gelten gar als illegale Drogen, deren außermedizinischer Konsum gerade in pädagogischen Einrichtungen verboten ist. Der Konsum illegaler Drogen zieht – wie alle Formen des Risikoverhaltens viele Jugendliche magisch an. ‚No Risk, no fun‘ – gerade bei jugendtypischen Problemen gilt dieses Motto. Deshalb wird die Jugendhilfe mit diesem Thema alltäglich konfrontiert.

Illegale Drogen werden gerade bei Problemen von Jugendlichen oft als Bewältigungsform genutzt und das ist riskant, weil sie immer auch das Risiko kurz- bzw. langfristiger Beeinträchtigungen im physischen, psychischen und sozialen Bereich in sich bergen.

Fachkräfte stationärer Jugendhilfeeinrichtungen betrachten sich zumeist als handlungsunfähig, wenn Jugendliche illegale Drogen konsumieren. Schnell werden Ängste, eigene Unsicherheiten und Unwissen über Konsumgewohnheiten und -gefahren zu Anlässen, die die Arbeit mit den Jugendlichen in oft drastischer Weise verändern können. So schaut man entweder weg und tabuisiert das Problem, oder gerät in Panik und dramatisiert es. Schnell werden angesichts dieser Reaktionsmuster Rufe nach einer Verweisung an Spezialdienste laut, und mitunter ist illegaler Drogenkonsum noch immer ein Ausschluss- bzw. Nichtaufnahmegrund, der in den Konzeptionen von Einrichtungen verankert ist. Es gibt teilweise zu wenig gemeinsames Arbeiten am Problem und nicht immer gelingt es, konkrete Handlungs- und Lösungsansätze für konsumierende Jugendliche aufzuzeigen.

2. Unterschiedliche fachliche Argumente/ Bedenken

Jugendliche sind auf der Suche nach neuer, nachkindlicher Identität. Dabei orientieren sie sich stark an der Gleichaltrigengruppe (peer-group). In dieser Gruppe werden erste Intimbeziehungen und Freundschaften aufgebaut, die nun für die Jugendlichen wichtige Bezugspunkte außerhalb des Elternhauses oder der Wohngruppe darstellen und die erwachsene Autorität zuweilen in Frage stellen. Das Experimentieren mit Suchtmitteln ist zunächst ein normaler Teil der Gruppenerfahrungen – zugleich aber auch riskant.

Das Verbieten des Konsums von Suchtmitteln ist – gerade in Wohngruppen – schon aus juristischer Perspektive ohne Alternative. Zugleich aber endet das sozialpädagogische Handeln nicht mit dem Verbot – vielmehr kommt es auf ein genaues Beobachten und Verstehen sowie dann auch Thematisieren des Umgangs mit illegalen Substanzen an.

Das Triplemandat der Sozialen Arbeit wahrzunehmen kann bedeuten, dass die Fachkraft angehalten ist, ein Gleichgewicht zwischen Rechtsansprüchen, Bedürfnissen und Interessen der Jugendlichen einerseits und den jeweils zu verfolgenden sozialen Kontrollinteressen der Gesellschaft, sowie der eigenen Fachlichkeit aufrechtzuerhalten. Dabei müssen auch die Bezugsdisziplinen der Sozialen Arbeit beachtet werden. Beispielweise ist aus medizinischer Sicht das Gehirn von Heranwachsenden noch im Wachstum und Cannabis ist sehr schädlich für die weitere Entwicklung des Gehirns.

3. Fragen zum Weiterdenken

  • Was wissen Sie über die Gefahren von Cannabis und anderen illegalen Drogen? Kennen Sie Wirkungsweisen, Gefahren und Konsummuster? Wieso konsumieren „ihre“ Jugendlichen?
  • Für wie normal und jugendgemäß halten Sie Cannabiskonsum? Welche Erfahrungen haben Sie selbst gemacht? Wann würden Sie ihn zulassen? Wann nicht?
  • Wie könnte das Konsumproblem mit der Wohngruppe oder den Peergroups gemeinsam besprochen und bearbeitet werden?

4. Lösungsvorschläge

Wenn gesundheitlich riskantes Verhalten von Jugendlichen aus Beziehungsdefiziten, aus beschädigtem Selbstwertgefühl oder aus Mangel an sozialer Anerkennung heraus entstanden ist, sollten Gespräche und Handlungspläne auf dieser Grundlage erarbeitet werden.

Werden Suchtmittel im Jugendalter dauerhaft und in unkontrollierter Weise genutzt, deutet dies daraufhin, dass evtl. das Repertoire von Mitteln zur Lebensbewältigung begrenzt ist – und es an funktionalen Äquivalenten als Alternative zum unangemessen Suchtmittelgebrauch mangelt. Die Suche nach solchen funktionalen Äquivalenten, also anderen Wegen zur Stärkung des Selbstbewusstseins, der Position der Peergroup, des Abschaltens etc. ist dann häufig erfolgsversprechender, als ewig über den Ausstieg aus dem Konsum der Drogen zu diskutieren.

Vielfach ist es eine gute Idee, sich beim Umgang mit Konsumkonflikten in Wohngruppen extern beraten oder coachen zu lassen. So bieten Drogenberatungsstellen nicht nur Hilfe bei der Frage des Umgangs mit Suchtmitteln an, sondern auch bei der Frage, wie man sie thematisieren und bearbeiten kann.

5. Material/ Links

Der Umgang mit Cannabis konsumierenden jungen Menschen in stationärer Jugendhilfe: https://www.grin.com/document/14238

Jugendliche und der Konsum von (illegalen Drogen): https://www.dji.de/ueber-uns/projekte/projekte/kinder-jugendliche-und-junge-erwachsene/jugendliche-und-der-konsum-von-illegalen-drogen.html

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